Community-Space – Erfolgsrezept für gemeinschaftliches Leben

von Alexandra  1
© Miredi (Fotolia)

Ein “Community-Space” ist ein öffentlich zugänglicher Ort in einer Gemeinde, einer Stadt oder einem Quartier, wo sich die Bewohner zum Austausch treffen. Im “Community-Space” stehen allen sowohl Werkzeuge als auch Wissen in Form von Fachpersonen zur Verfügung. Die Werkzeuge werden vom “Community-Space” bereitgestellt oder von Privaten gesponsert. Die Fachpersonen sind allesamt Gemeindemitglieder und stehen den anderen freiwillig und aus Spass an der Sache zur Seite. Jede und jeder ist Fachperson auf irgendeinem Gebiet.

Im “Community-Space” leime ich mit Hilfe eines Schreiners das abgebrochene Bein meiner Kommode wieder an, mit Hilfe einer Schneiderin wechsle ich den kaputten Reissverschluss an meiner Hose aus, lerne zum wiederholten Male, einen Knopf anzunähen und zusammen mit einer Computer-Fachperson erweitere ich den Speicher meines Computer. An den Projekttagen kann ich auch Ungewöhnliches lernen: Anlegen eines Mini-Teichs, Bau eines gemauerten Gartengrilles, Bau eines Weinregals aus Fallrohren und vieles mehr.

Früher konnte man die Bauanleitungen aus dem Internet auf den zahlreichen DIY-Websites finden. Aber oftmals sind die Projekte aus Mangel an richtigem Werkzeug, an fehlender fachlicher Unterstützung und fehlendem Austausch mit Gleichgesinnten gescheitert. Im “Community-Space” arbeitet nun alle gemeinsam an einer Ideen und haben Spass, weil die Infrastruktur und die Unterstützung stimmt.

Der “Community-Space” stellt auch eine kleine Bühne mit Soundanlage und Beleuchtung zur Verfügung. Einmal im Monat findet die altbewährte Open Mic-Veranstaltung statt, an der jede und jeder etwas vorführen kann. Eine Gage gibt es nicht, aber jedem ist Ruhm und Ehre gewiss.

Wenn ich Lust habe, mit anderen mein Wissen zu teilen, dann schreibe ich einen Workshop aus. Und manchmal trinke ich einfach nur einen Kaffee im angrenzenden Lounge-Bereich, halten einen kleinen Schwatz mit Nachbarn oder leiste Hilfestellung auf meinen Fachgebieten.

Der “Community-Space” ist rund um die Uhr geöffnet und wird von allen Bewohnern der Gemeinde gemeinschaftlich betreut. Die Veranstaltungen werden ebenfalls gemeinschaftlich organisiert. Für die Verwaltung stehen die üblichen Kollaborations-Tools zur Verfügung, bestehend aus einem Kalender für die Events, einen Blog für die Aussenkommunikation, ein Messaging-System für die interne Information sowie ein Microblogging-System für den internen Wissensaustausch. Die Nutzung des Raumes und der Tools ist kostenlos, aber Anspruch auf Hilfe oder Dienstleistung besteht nicht, da alle freiwillig arbeiten. Finanziert wird der Raum und die gesamte Infrastruktur natürlich aus unseren Steuergeldern.

“Community-Spaces” werden von uns natürlich laufend weiterentwickelt. Was nicht mehr stimmig ist, wird gestrichen, ersetzt oder verbessert. Vor einiger Zeit hatten wir in unserem “Community-Space” noch einen Coiffeursalon, wo man sich die Haare selber schneiden konnte. Das hat sich nicht sonderlich bewährt, aber wir hatten alle einen Heidenspass an den vielen misslungenen Frisuren. Schliesslich siegte die Erkenntnis, dass wir die Haarschere wieder ganz in die Hände der Fachleute legen. Die Coiffeur-Utensilien haben wir an einen Lehrlingsbetrieb weitergegeben und in den frei gewordenen Räumen eine Velowerkstatt eingerichtet.

Der “Community-Space” hat sich in jeder Schweizer Gemeinde etabliert, weil er einem menschlichen Bedürfnis nach sozialem Austausch, Gemeinschaftsgefühl, gegenseitiger Fürsorglichkeit und Hilfestellung und gemeinsamen Wachsens an Herausforderungen entspricht.

Das Konzept ist allerdings nicht neu. Früher hiess diese Art von Treffpunkt Gemeindehaus, Vereinshaus, Gemeindezentrum, Jugendhaus oder auch schon mal AJZ. Funktioniert haben diese Konzepte nicht, weil sie von der “Obrigkeit” überwacht und fast schon angeordnet wurden. Die späteren Coworking Spaces oder Betahäuser hatten schliesslich mehr Erfolg, weil sie von Privatpersonen mit Fokus auf die Gemeinschaft gegründet und betreut wurden. Sie waren die Wegbereiter zu unseren heutigen “Community-Spaces”.

Habt ihr noch weitere Ideen oder Aspekte für den “Community-Space”? Wie organisiert ihr eueren Space?

In der Rubrik “Vision” werden Ideen vorgestellt, die es so zwar noch nicht gibt, aber deren Dringlichkeit und Sinn uns vielleicht in naher Zukunft die Realisierung ermöglicht.

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Kommentar von Manuela  

Eine sehr schöne Idee. Ähnlich den Gartenprojekten überall, z.B. Stadiongarten in ZH, nicht?

Antwort von Alexandra

Danke für deine Gedanken, Manuela.
Ja, du hast Recht, die Vision hat natürlich mit allen bereits bestehenden Initiativen und Gemeinschaftsprojekten Gemeinsamkeiten. Der Unterschied zur Vision ist aber, dass die heutigen Projekte von Vereinen und Privatpersonen geführt werden. Meiner Meinung nach müsste aber auch unsere Verwaltung merken, wofür sie eigentlich da ist und dass sie ja auch nur Teil unserer Gesellschaft ist. Deshalb müssten solche wertvollen Initiativen in Zukunft von unseren repräsentativen Gremien unterstützt werden und die nötige Infrastruktur sowie die Finanzen zur Verfügung gestellt werden.
Hier ist der Link zum Stadionsgarten Zürich: http://www.interkulturelle-gaerten.ch/